Richtig Erben

Wer erbt, sollte misstrauisch sein und sich beeilen!

 

Tritt ein Erbfall ein, so befinden sich die Angehörigen und zukünftigen Erben sehr oft noch in einer emotional aufgerüttelten Situation. Es ist verständlich, dass nach dem Tod eines lieben Angehörigen erst einmal kaum ein klarer Gedanke gefasst werden kann. Und dennoch: Es müssen vom Gesetzgeber Fristen eingehalten werden und falls es nicht einen klaren Alleinerben gibt, seien Sie kritisch und vorsichtig mit Ihren eigenen Verwandten, den potenziellen Miterben. Schließlich steht nicht umsonst in so mancher Kanzlei für Erbrecht der Spruch (sinngemäß): "Sie glauben, Sie kennen Ihre Verwandten? Dann warten Sie, bis Sie erben!"

Doch zunächst zu den gesetzlichen Anforderungen. Wer im Besitz eines handschriftlich verfassten Testaments ist, muss dieses schnell beim zuständigen Amtsgericht persönlich abliefern. Danach beginnt eine 6 Wochen Frist, in der der Erbe schnell und möglichst umfassend feststellen sollte, ob der Erblasser überhaupt ein Nettovermögen hinterlässt oder eventuell sogar nach Abzug aller Forderungen das Erbe überschuldet ist. Sollte das Erbe überschuldet sein, müssen Sie innerhalb der 6 Wochen Frist Ihr Erbe formell nicht annehmen. Bleibt dieser Schritt aus, übernehmen Sie automatisch die Schulden des Erblassers, zu dem übrigens auch Schulden vor dem Finanzamt gehören.

Gleichzeitig zu den nicht immer einfachen Nachforschungen über den Erblasser (schließlich sind Sie noch nicht im Besitz eines Erbscheins), sollten Sie feststellen, wie hoch das Vermögen ungefähr ist, das vererbt wird und ob es sich um eine Erbengemeinschaft handelt, die sich an diesem Vermögen bedienen will.

Eine Erbengemeinschaft kann in einem Erbfall der absolute Horror sein.  Eine Gemeinschaft von Personen, die oftmals untereinander verschiedener Meinungen sind, insgesamt durch diese Unterschiedlichkeit nicht handlungsfähig sind, gleichzeitig aber ihren Verpflichtungen rund um das Erbe nachkommen müssen. Die Folge einer Erbengemeinschaft ist oftmals ein langwieriger und teurer Kampf mit Anwälten um das Erbe. Von daher muss sich der Erbe genau überlegen, ob er ein Erbe annehmen möchte, bei dem es beispielsweise um 12.000 Euro geht und um 6 Miterben.  Unter dem Strich verbleiben dann 2.000 Euro für jeden Miterben und wenn sich die uneinig sind, landen Sie automatisch beim Anwalt und eventuell vor Gericht. Hier ist es dann vielleicht besser, das Erbe auszuschlagen. 

Und schließlich: Die eigenen Verwandten als Gefahr.

Wer in der Nähe des Erblassers wohnt und Zugänge zu den Räumlichkeiten und Konten des Erblassers hat, kann eigentlich tun, was er will. Vorbei an den übrigen Miterben kann er Wertgegenstände und Geld verschwinden lassen, ohne dass ein Miterbe dies nachweisen kann. Daher gilt hier höchster Alarmzustand. Verschaffen Sie sich selbst möglichst schnell Zugang zu den Räumlichkeiten des Erblassers und vertrauen Sie Ihren Verwandten nicht, so der immerwährende Ratschlag der Rechtsanwälte. Sie glauben, Ihre Verwandten sind besser und tun so etwas nicht? Viel Glück!