Stadt oder Land - wo lebt es sich besser?

Wo lebt es sich besser? Auf dem Land oder in der Stadt? Dieser Frage werden wir im folgenden Text nachgehen, doch die Antwort schon vorab: Auf jeden Fall da, wo Sie hingehören!

Eigene Erfahrungen ergänzen inzwischen die zahlreichen Kommentare im Internet zu dieser Frage. Oft wird für das Landleben mit Fakten geworben. So zum Beispiel dem Fakt, dass in der Regel die Natur und die Luft viel besser ist als in der Stadt und dass sich in der Regel für das gleiche Budget mehr Wohnraum und mehr Grundstück schaffen lässt als in der Stadt. Und diese Fakten sind absolut korrekt. Auch, dass man auf dem Land weit mehr im Einklang mit der Natur leben kann als in der Stadt. Ein Gegenargument besteht in den langen Wegen zur nächstgelegenen Stadt, in der sich sehr oft der Arbeitsplatz oder der Ausbildungsplatz befindet. Ein weiteres Argument ist, dass es in der Stadt letztlich alles zu kaufen gibt und auf dem Land einige Dinge fehlen. Hier schaffen die Bestellmöglichkeiten des Internets zwar einen gewissen Ausgleich, aber einige Dinge fehlen dann doch, wie zum Beispiel kulturelle Veranstaltungen (zum Beispiel Oper). Aber all diese richtigen Argumente für oder gegen die Stadt oder das Land umschiffen doch die Kernthematik dieser Frage, nämlich dass der Städter eine grundsätzlich andere Lebensstruktur besitzt als der Dörfler. Und genau das ist es, was beiden Gruppen am falschen Platz das Leben schwer macht, sowohl dem Dörfler in der Stadt als auch dem Städter auf dem Land. Auf dem kleinen Dorf gibt es eine begrenzte Anzahl von Menschen, denen ein Bewohner jeden Tag begegnet. Allein aus strukturellen Gründen hat man nur ein paar Nachbarn und ein paar Einwohner, denen man überall begegnet, beim Metzger, beim Bäcker oder im Kindergarten. Zahlreiche Vereine unterstützen diesen Zusammenhalt. So gilt es als völlig normal, dass der neue Nachbar fast schon selbstverständlich auch der neue Freund wird, falls er sich in die Dorfstruktur einpflegt. Ein schlechtes Wort gegen den Dorfmetzger würde hier ebenfalls nicht gut ankommen. Wer von den Zuhörern will schon regelmäßig 20 Kilometer weiterfahren, um den nächsten Metzger zu erreichen. So findet eine Art Dynamik statt, indem diejenigen, die im Dorf zwangsläufig etwas zu sagen haben wie der Bäcker, der Metzger, der Kindergärtner oder der Grundschullehrer zur Gesamtmeinungsbildung beitragen. Eine individuelle Einschätzung von einzelnen Personen findet kaum statt. Die Meinung über eine Person bildet sich nicht zwischen zwei Menschen aus, sondern verankert sich im Gehirn des ganzen Dorfes.

Ganz anders in der Stadt. In der Stadt, vor allem wenn es sich um eine Großstadt handelt, gibt es zahlreiche Auswahlmöglichkeiten an Dienstleistern, wie dem Bäcker, dem Metzger, aber auch an Menschen an sich. Hier gibt es so viele Menschen auf engem Raum, dass eine Gruppenbildung wie im Dorf nicht möglich ist. Stattdessen selektiert der Städter zwischen den vielen Menschen, die ihm in der Stadt begegnen und beurteilt diese allein aus seinem Empfinden heraus. Seine Meinung über einen Menschen wird nicht durch andere Menschen geprägt, sondern bildet sich völlig frei von Urteilen und Vorurteilen. Da jeder Mensch nur eine bestimmte Kapazität an Menschen hat, mit denen er täglich umgehen kann, wird der Städter nur mit Menschen seine Zeit verbringen, bei denen er das Gefühl hat, dass ihm das gut tut und die grundsätzliche Übereinstimmung hoch ist. Der Nachbar ist nur irgendjemand, der zufällig nebenan wohnt. Nicht mehr und nicht weniger. Auch wird der Städter selten bis gar nicht in einen Verein gehen, ohne auch die Aktivität zu lieben, mit der sich der Verein beschäftigt. Der Städter tritt einem Verein bei, weil ihn das Thema des Vereins interessiert, und nicht, wie auf dem Dorf durchaus üblich, weil wichtige Dorfgrößen eben auch in dem Verein sind oder weil zum Beispiel die freiwillige Feuerwehr ein hohes Ansehen genießt. Ich habe mich bewusst bemüht, keine Wertungen in den Text einzubringen, denn jeder Platz hat seine Vorteile und seine Nachteile. Ich schreibe nur, dass die strukturellen Unterschiede zwischen Stadt und Land derart gravierend sind, dass Sie in der Regel nur an einem Platz glücklich werden können und genau den Platz auch als Wohnort wählen sollten. Es mag auch Mischformen geben, also Menschen, die sowohl auf dem Land als auch in der Stadt leben können. Aber generell gilt der Tipp: Sind Sie ein 100 prozentiger Dörfler, bleiben Sie unbedingt auf dem Land. Sind Sie ein 100 prozentiger Städter, verlassen Sie bitte im eigenen Interesse die Stadtgrenzen niemals. Eine gewisse Sonderstellung mag hier noch der sogenannte Speckgürtel einnehmen, der zu einem gewissen Teil beide Grundstrukturen ein wenig vereinigt, wenngleich aber dennoch die Zugehörigkeit zum Landleben überwiegt.